Neue Netzentgelte ab 2027: Was die SNE-G-V für Haushalte bedeutet
Die Energiewende und der Einsatz von neuen Technologien sorgen dafür, dass Strom heute anders erzeugt und genutzt wird als noch vor wenigen Jahren. Die E-Control reagiert nun mit der neuen Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung (SNE-G-V) auf die veränderten Bedingungen in unserem Stromsystem.
Die positive Entwicklung bei Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, e-Autos, Stromspeichern und Bürgerenergie-Modellen hat Auswirkungen auf unsere Stromnetze. Mit der neuen Verordnung, die ab 2027 schrittweise eingeführt wird, schafft die E-Control die Grundlage für eine auf die aktuellen Anforderungen angepasste Netzentgeltstruktur.
Ziel der Reform ist es, die bestehenden Stromnetze effizienter zu nutzen, Lastspitzen zu reduzieren und die Kosten der Energiewende möglichst gering zu halten. Laut E-Control könnten dadurch langfristig rund 300 Millionen Euro pro Jahr an zukünftigen Netzausbaukosten vermieden werden.
Warum braucht es neue Regeln?
Das bisherige System orientiert sich bei den Netzentgelten vor allem an der verbrauchten Strommenge. In einem Energiesystem mit vielen dezentralen Erzeugungsanlagen, Speichern und neuen Anwendungen wie Elektromobilität kommen auf die Netzbetreiber neue Herausforderungen zu.
Die neue Verordnung soll dafür sorgen, dass die Netzkosten stärker danach verteilt werden, wie intensiv das Stromnetz tatsächlich genutzt wird. Gleichzeitig sollen Anreize geschaffen werden, Strom dann zu verbrauchen oder zu speichern, wenn dies für das Netz besonders sinnvoll ist.
Ein gleichmäßigeres Verbrauchsverhalten ermöglicht es, mehr Strom über die bestehende Infrastruktur zu transportieren. Das reduziert den Bedarf an zusätzlichem Netzausbau und hilft dabei, die Kosten für alle Netznutzerinnen und Netznutzer zu begrenzen.
Die wichtigsten Änderungen im Überblick
Leistung wird wichtiger
Künftig spielt nicht nur die verbrauchte Strommenge eine Rolle, sondern auch die höchste bezogene Leistung innerhalb eines Monats. Maßgeblich ist dabei der höchste 15-Minuten-Wert, der über den Smart Meter erfasst wird. Wer hohe Leistungsspitzen vermeidet und Geräte zeitlich versetzt nutzt, kann seine Netzkosten künftig positiv beeinflussen. Wer das Netz stärker beansprucht, trägt künftig einen höheren Anteil der Kosten.
Ab 01.01.2027 hat jeder Haushalt in Österreich 10 Kilowatt (kW) Leistungsanschluss auf der Entnahmeseite zur Verfügung. Bisher waren das 4 kW. Wird dieser Wert in einer Viertelstunde im Monat überschritten, gibt es im darauffolgenden Monat einen höheren Leistungspreis.
Die genauen Kennzahlen werden mit der Systemnutzungsentgelte-Tarif-Verordnung (SNE-T-V) definiert, welche Ende Oktober zur Begutachtung aufliegen wird.
Wenn Sie herausfinden wollen, welche Spitzenleistungen Sie bisher bezogen haben, können Sie das im Smart-Meter-Portal des Netzbetreibers (Netz NÖ) einsehen, oder den Smart-Meter-Check von klimaaktiv nutzen.
Flexibilität wird belohnt
Die neue Tarifstruktur schafft Anreize, den eigenen Stromverbrauch zeitlich zu verschieben. Beispielsweise können das Laden eines e-Autos, der Betrieb einer Wärmepumpe oder andere energieintensive Anwendungen auf unterschiedliche Zeitpunkte verteilt werden. Dadurch werden Lastspitzen reduziert und das Stromnetz entlastet.
Bereits bekannt ist der Sommer-Nieder-Arbeitspreis (SNAP), der zwischen 01. April und 30. September von 10 Uhr bis 16 Uhr günstigere Netzentgelte ermöglicht. Ergänzt wird dieser ab Oktober 2027 durch den Winter-Nieder-Arbeitspreis (WiNAP), der von 01. Oktober bis 31. März von 23 Uhr bis 05 Uhr gilt. Beide Modelle sollen eine gezielte Verlagerung des Stromverbrauchs in jene Zeiten bewirken, in denen das Stromnetz weniger stark belastet ist.
Eine weitere Neuerung der SNE-G-V ist die flexible Netznutzung. Der Grundgedanke dahinter: Wer dem Stromnetz mehr Flexibilität zur Verfügung stellt, kann von günstigeren Netzentgelten profitieren. Wer in gewissen Zeiträumen (zweimal 2 Stunden pro Tag) dauerhaft weniger als die zugeteilten 10 kW Leistung benötigt, profitiert von günstigeren Leistungspreisen. Die genauen Details dazu werden in der SNE-T-V und vom Netzbetreiber veröffentlicht. Die flexible Netznutzung trägt dazu bei, bestehende Netzkapazitäten besser auszuschöpfen und den Bedarf an kostenintensivem Netzausbau zu reduzieren. Davon profitieren sowohl die teilnehmenden Haushalte als auch das Stromsystem insgesamt.
Speicher erhalten eine stärkere Rolle
Batteriespeicher sollen künftig noch aktiver dazu beitragen, Last- und Einspeisespitzen zu reduzieren. Dabei wird zwischen Heimspeichern, die in Kombination mit Ladungssteuerung und Bürgerenergie wesentlich zur Flexibilisierung beitragen werden, und großen Speichern, die gewerblich genutzt werden, unterschieden.
Schrittweise Einführung
Die Einführung der neuen Netztarife erfolgt je nach Netzgebiet zwischen 1. Jänner 2027 und spätestens 1. Juli 2028. Dadurch bleibt ausreichend Zeit, sich auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen. Genaue Zeitpläne werden in den nächsten Wochen von den Netzbetreibern veröffentlicht.
Ebenso werden in Ihrem Smart-Meter-Portal die wichtigsten Kennzahlen dargestellt, damit Sie sich auf die Umstellung vorbereiten können.
Es wird Übergangsphasen geben, um Nutzerinnen und Nutzern die Chance zu geben, sich an die neuen Tarife zu gewöhnen und den Strombedarf entsprechend anzupassen. Diese Phasen sind abhängig von den Zeitplänen der Netzbetreiber und werden von diesen veröffentlicht.
Was bedeutet das für Haushalte?
Für die meisten Haushalte werden in der Netzkostenabrechnung keine grundlegenden Änderungen zu bemerken sein. Die E-Control geht davon aus, dass Haushalte mit gleichmäßigem Netzbezug besser gestellt werden, aber Haushalte mit hohen Leistungsspitzen höhere Netzgebühren zahlen.
Wer mehrere leistungsstarke Geräte gleichzeitig betreibt, kann künftig durch einfache Anpassungen seines Verbrauchsverhaltens Netzkosten reduzieren. Dabei helfen Energiemanagementsysteme und das Wissen über den eigenen Energieverbrauch.
Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das vor allem eines: Künftig zählt nicht nur wie viel Strom verbraucht wird, sondern auch wann und mit welcher Leistung das Netz genutzt wird.
Wie sich die Änderungen für Beispielhaushalte auswirken und Tipps, wie Sie ihren Stromverbrauch netzdienlich regeln, finden Sie in den nächsten Wochen auf unserer Website!