Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich
Energieberatung Niederösterreich

Innovationen für den klimafitten Haushalt

Als klimaneutraler Haushalt werden wir weniger begrenzte Ressourcen verbrauchen und unseren Energie- und Mobilitätsbedarf erneuerbar abdecken. Viele Innovationen stehen dafür bereit. Die Energiewende braucht aktive KonsumentInnen, die ihre benötigte Energie als „Prosumer“ zum großen Teil selber erzeugen. Selbst erzeugter Ökostrom ist der zentrale Baustein des klimafitten Haushalts.

Mann zeigt smarthome features auf einem Tablett. Dargestellt sind die Regelung von Beleuchtung und Raumtemperatur, Kameraüberwachung und WLAN-Option.

Das Plusenergiehaus – sich selbst mit Energie versorgen

Der Energiebedarf eines Neubaus oder umfassend sanierten Altgebäudes ist mittlerweile so niedrig, dass man mehr Energie am Dach oder im nahen Umfeld erzeugen kann als man zum Wohnen benötigt. Die Weiterentwicklung innovativer Bau- und Dämmstoffe, wie z.B. Vakuumdämmplatten, werden den Energiebedarf noch weiter absenken. Auf absehbare Zeit wird damit das klimafitte Haus zum Kraftwerk, das mit dem erzeugten Überschussstrom die Energie, die für die Produktion der Baustoffe und die Errichtung des Hauses benötigte Energie kompensiert. Das klimafitte Haus der Zukunft ist ein Plusenergiehaus, das bei einer ökologischen Baustoffwahl, wie Holz und Lehm, klimaneutrales Wohnen ermöglicht.

Grüner Strom ersetzt Öl und Gas

Bereiche, die früher mit unterschiedlichen Energien versorgt wurden, wie z.B. Heizung, Elektrogeräte und Mobilität, sind in Zukunft über denselben Energieträger Strom miteinander gekoppelt. Denn Strom ersetzt Heizöl und Erdgas und ist äußerst effizient einsetzbar. Mithilfe der Wärmepumpe kann mit Strom die vierfache Menge an Wärme erzeugt werden. Elektrische Antriebe der Elektroautos sind um ein Vielfaches sparsamer als Fahrzeuge auf Basis fossiler Treibstoffe.

Durch die effizientere Nutzung von Energie wird der Gesamtenergiebedarf trotz höheren Stromverbrauchs sinken. Dafür sorgt auch die Ökodesignrichtlinie der EU, die einen maximalen Energieverbrauch für viele Produktgruppen vorgibt und über die Jahre stufenweise absenkt. Ein klimafitter Haushalt achtet beim Kauf auf das Energielabel und bevorzugt das energieeffizientere Gerät. Niederösterreich deckt bereits seinen Stromverbrauch über das Jahr betrachtet zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Durch die effizientere Nutzung des Stroms wird dies auch in Zukunft möglich sein und auch in ganz Österreich bis 2030 erreicht werden.

Geräte beginnen miteinander zu sprechen - die Zukunft wird smarter

Die große Herausforderung liegt in Zukunft darin, den eigenen Bedarf flexibel an das schwankende und lokal erzeugte Energieangebot von Sonnen- und Windstrom anzupassen. In einem intelligenten Stromnetz sind Verbraucher, Erzeuger und Speicher  zunehmend miteinander in Smart Grids verschaltet. Geräte können miteinander in beide Richtungen kommunizieren, um Bedarf und Erzeugung flexibler aufeinander automatisch abzustimmen. Das Elektroauto wird genau dann geladen, wenn PV-Strom zur Verfügung steht. Strom wird gespeichert, wenn er im Überfluss vorhanden ist. Auch Haushaltsgeräte werden eingeschalten, wenn der Strom billig ist, weil genug Wind-, Wasser- oder Sonnenenergie da ist.

Eine Person steht auf der Straße und steuert die Raumtemperatur des Hauses mit einem Smartphone.

Energiemanagementsysteme und andere smarte Anwendungen werden uns in Hinkunft viele Entscheidungen und Handgriffe ersparen, indem sie ohne unser Zutun automatisch die gewünschte Dienstleistung bereitstellen. So wird z.B. der Überschussstrom aus der hauseigenen Photovoltaikanlage so effizient wie möglich genutzt: Entweder wird er für das Aufladen des Elektroautos verwendet oder für die Warmwasserbereitung bzw. Heizung durch die Wärmepumpe oder er wird ins Netz eingespeist und verkauft, weil das am günstigsten ist. Sicher ist, dass vorprogrammierte Abläufe zunehmend unseren Alltag entlasten werden. Diese smarte Welt werden wir uns aber nur in dem Ausmaß wünschen, als wir uns nicht fremdbestimmt fühlen und die Datensouveränität erhalten bleibt.

e-Mobilität als Service

Eine Person übergibt eine Zugangskarte für ein Carsharing-Elektroauto an eine andere Person.

Ein eigenes Auto (oder 2 bei vielen Familien) belastet die Geldbörse stark. Andererseits sind unsere Fahrzeuge eigentlich im Schnitt etwa 23 Stunden am Tag ungenutzte „Stehzeuge“, die viel Platz wegnehmen. Der Wunsch so individuell und spontan wie möglich selbstbestimmt unterwegs zu sein, wird in Zukunft auch am Land häufig leichter ohne eigenes Auto erfüllt werden können.

Die laufende Digitalisierung macht das möglich und ist dabei unsere Mobilität revolutionieren. Buchungsplattformen im Internet ermöglichen rasch Mobilitätsdienstleistungen anbieten und abrufen zu können. Über Mitfahrbörsen kann man passende Angebote suchen und einfach buchen. Durch die elektronischen Buchungssysteme ist es auch möglich für die kritische letzte Meile Bahnfahrten mit Leihautobuchungen zu verbinden. Viele Ziele werden auf diese Art zum ersten Mal mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

In der Kombination verschiedener Verkehrsmittel liegt viel Potenzial, das es vermehrt ermöglicht, das Auto stehen zu lassen. Eine zunehmend beliebte Möglichkeit ist zum Beispiel die Kombination von (Falt-)fahrrad oder Scooter mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Mit (e-)Carsharing, also Auto teilen, kann man überhaupt auf ein Auto oder ein unwirtschaftliches Zweitauto verzichten. Im geteilten Fahrzeug befindet sich ein Bordcomputer, der den Zugang zum Auto für die z.B. über das Smartphone gebuchten Fahrten ermöglicht. Alle haben mit einer Karte Zutritt zum Auto für ihre Fahrten. Damit ist ohne viel Organisationsaufwand eine leichte Nutzung des geteilten (e)-Autos möglich. In Wohnhausanlagen ist das Carsharing (e)-Auto in der Tiefgarage zu ähnlichen Kosten genauso gut erreichbar wie ein eigenes Auto. Man erspart sich aber den Parkplatz und muss sich auch nicht um Reinigung, Wartung und Service kümmern.

Derzeit noch Zukunftsvision ist das autonome Fahren, das leistbare Taxidienste auch im ländlichen Raum ermöglichen wird. Wie sich heute schon in Entwicklung befindliche autonom betriebene Lufttaxis und Drohnenboten auswirken werden, lässt sich derzeit noch schwer abschätzen. Jedenfalls stehen im Mobilitätsbereich große Änderungen bevor. Bis 2030 wird jedenfalls jede zweite Neuzulassung ein Elektroauto sein.

Gebäudebegrünung und der Garten als Kompensationsquelle von CO2

Begrünte Fassade in einem Mehrfamilienhaus.

Viele grüne Technologien, die sich positiv auf das Mikroklima und den Klimaschutz auswirken wurden in den letzten Jahren serienreif entwickelt. Dachbegrünungen kann man heute so ausführen, dass das Dach zum vielfältigen Lebensraum für Pflanzen und Tiere wird. Begrünte Fassaden sind nicht nur schön, sondern filtern Staub und Schadstoffe und wirken kühlend im Sommer. Schotterrasen ermöglichen Stellplätze fürs Auto, die sich nicht aufheizen und das Wasser im Boden zur Verdunstung in Trockenperioden versickern lassen.

So kann ein Baum im Garten etwa 10 kg CO2 pro Jahr aus der Atmosphäre aufnehmen und in der Pflanzenmasse speichern. Bis zur ersten großen Renovierungsphase des Hauses bindet er also bis zu einer halben Tonne CO2. Mit 3-4 Bäumen lassen sich also die entstandenen Treibhausgasemissionen der Hauserrichtung kompensieren. Viel Grün am und rund ums Haus spendet aber auch viel Sauerstoff, sorgt für die Beschattung des Gebäudes oder für schattige Aufenthaltsplätze im Garten. Die Folge ist ein angenehmes Wohlfühlklima, das vielleicht sogar dazu verleitet, den einen oder anderen Urlaub einmal zu Hause zu verbringen bzw. weniger zu reisen.

Energieerzeugungsgemeinschaften treiben die dezentrale Ökostromerzeugung voran

Eine wichtige rechtliche Innovation ist die Ermöglichung von Bürgerenergiegemeinschaften. Ab 2021 dürfen sich Privatpersonen, aber auch Betriebe zu Erneuerbaren Energiegemeinschaften zusammenschließen und das Stromnetz nutzen, um einander die selbst erzeugte erneuerbare Energie zu einem begünstigten Ortstarif zu verkaufen. Auch Energieeffizienz- und Ladedienstleistungen dürfen gegenseitig angeboten werden. Das wird KonsumentInnen vermehrt in aktive „Prosumer“ verwandeln, die in selbst erzeugten Solarstrom investieren.

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