Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich
Energieberatung Niederösterreich

Atomkraft – die Hochrisiko-Sackgasse

Mit Atomenergie kann das Klimaproblem nicht gelöst werden und sie ist sowohl wirtschaftlich als auch für unsere Gesundheit hochriskant. Wir haben uns schon vor über 40 Jahren gegen Atomenergie entschieden. Niederösterreich setzt auf erneuerbare Energien und ist damit auf der sicheren Seite.

Weltweit sinkt die Zahl der in Betrieb befindlichen Anlagen. Derzeit sind es 452, die im Schnitt schon über 30 Jahre alt sind. Seit Mitte 2000 ist die Erzeugung von Atomstrom weltweit rückläufig. Derzeit werden nur mehr etwa 10 % des globalen Strombedarfs mit Atomstrom abgedeckt.

Atomkraftwerke sind teuer und hochriskant

Planung, Betrieb und Abbau eines Atomkraftwerks (AKW) erstreckt sich über 100 Jahre. Davon ist ein AKW nur gut die halbe Zeit in Betrieb. Dann beginnt aber erst die Nachsorge für die stark strahlenden radioaktiven Abfälle, die sich über hunderttausende von Jahren erstreckt und die unzählige Folgegenerationen beschäftigen wird. Es gibt global nur sehr wenige Firmen, die älter als 100 Jahre sind. Wer wird also einmal hunderte Jahre nach Betrieb eines AKW die Verantwortung für das hinterlassene Strahlenerbe übernehmen?

Tschernobyl und Fukushima sind Beweise dafür, dass die Risiken der Kernenergie letztlich nicht zu beherrschen sind. Das mit einem AKW verbundene Strahlenrisiko kann keine Versicherung der Welt abdecken. Deshalb können auch die Gesamtkosten für den produzierten Atomstrom nicht seriös kalkuliert werden. Sie liegen jedenfalls mehrfach über dem Preis erneuerbarer Energien. Ohne Subventionen ist Atomenergie nicht konkurrenzfähig mit erneuerbaren Energien.

Kernenergie ist eine Sackgasse und löst die Klimakrise nicht

Uran ist ein Brennstoff, der nur begrenzt vorhanden ist. Die derzeit bekannten Vorräte reichen nur bis zur Jahrhundertwende. Atomkraftwerke brauchen außerdem eine unglaublich lange Vorlaufzeit von 10 – 15 Jahren bis zu ihrer Inbetriebnahme. Atomkraft kann also gar keinen nennenswerten Beitrag zur Erreichung der in der EU angestrebten Klimaneutralität bis 2050 erreichen. Außerdem verursacht auch Atomstrom durch den Abbau von Uran und mit dem Bau und Abbau eines Atomkraftwerkes gewisse Treibhausgasemissionen. Erneuerbare Energieträger sind im Gegensatz zur Atomenergie zukunftssicher und können realistisch zur Erreichung der Klimaschutzziele ausgebaut werden.

Österreich ist von Atomkraftwerken umgeben

Trotz der Nuklearkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima halten einige Nachbarländer Österreichs nach wie vor an der Atomenergie fest.
Die geringste Entfernung zum nächsten Atomkraftwerk hat die NÖ Gemeinde Hardegg mit rund 32 Kilometern zum AKW Dukovany in Tschechien. Auch unsere Landeshauptstadt St. Pölten ist nur 100 Kilometer von diesem AKW entfernt.

Grafik: Atomkraftwerke rund um Niederösterreich

Risiken der Atomkraft

Atommüll-Endlagerung noch immer ungelöst

Der Müll aus Atomkraftwerken muss je nach Material und Strahlung über Jahrtausende absolut sicher gelagert werden. Trotz einer Jahrzehnte andauernder Suche gibt es weltweit kein sicheres Atommüllendlager für hochradioaktiven Müll. Derzeit wird dieser Atommüll, oft direkt am Gelände des Atomkraftwerks, zwischengelagert. Mittel- und schwachradioaktiver Müll wird in eigenen Lagerstätten, z.B. in aufgelassenen Bergwerkstollen, gelagert. Rund 90 % der Abfälle aus Kernkraftwerken werden als schwach- und mittelradioaktiv eingestuft, 10 % sind hochradioaktive Abfälle.

AKW Unfälle

Zusätzlich zu Tschernobyl und Fukushima hat es eine Vielzahl an schweren AKW-Unfällen gegeben. Mögliche Folgen sind für Mensch und Umwelt fatal und können nicht lokal eingeschränkt werden. Grenznahe AKWs sind für uns eine massive Gefährdung. Denn bei einem Super-Gau wird das Gebiet rund um das Kraftwerk zum Sperrgebiet. Die nähere Umgebung des betroffenen Atomkraftwerks wird evakuiert. Im Umkreis von 100 Kilometern sollen die Menschen in geschlossenen Räumen bleiben und Jodtabletten einnehmen. Die stark verstrahlten Gebiete sind über Generationen nicht bewohnbar.

Gesundheitliche Risiken

Hohe Dosen ionisierender Strahlen können bei Menschen juckende Hautrötungen mit Blasenbildung, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen, Haarausfall u.v.m. auslösen. Aber auch niedrige Dosen können, je nach Dauer und Art des Kontaktes, die DNA schädigen und langfristig das Risiko für Krebs drastisch erhöhen.

Die Errichtung von Kernkraftwerken ist wirtschaftlich riskant

Die Errichtung neuer Atomkraftwerke ist mit hohem Kapitalbedarf und somit mit hohem finanziellem Risiko für private Investoren verbunden und dementsprechend haben im Bau befindliche Atomkraftwerke in Europa mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Tschechien – AKW Temelin

Weil die tschechische Regierung zu keinen staatlich garantierten Einspeisetarif bereit war, wurden daher auch die Ausbaupläne für das tschechische AKW Temelin wegen mangelnder Rentabilität gestoppt. Ein Ansuchen um Verlängerung der 2020 endenden Betriebsgenehmigung ist gerade im Laufen. Das AKW in Südböhmen nahe der Moldau ist seit 2000 in Betrieb und deckt rund ein Fünftel des tschechischen Strombedarfs ab. Die mit US-amerikanischer Leittechnik betriebenen Reaktorblöcke sind störungsanfällig und verfügen über einen Einsatzgrad unter 80 %. Erst vor kurzer Zeit musste ein Reaktorblock wegen einer Störung heruntergefahren werden.

Tschechien – AKW Dukovany

Für den Standort Dukovany läuft ein Genehmigungsantrag zur Errichtung zweier zusätzlicher Kraftwerksblöcke. Eine Baugenehmigung könnte bis 2029 erteilt werden. Im dem nur rund 32 km von der niederösterreichischen Landesgrenze entfernten AKW wird abgebrannter Kernbrennstoff zwischengelagert sowie schwach- und mittelaktive Abfälle gelagert. Die Endlagerung des Atommülls in Tschechien ist noch immer ungelöst. Immer wieder sind grenznahe Lagerstandorte in Diskussion, die Anlass für Beunruhigung in der österreichischen Bevölkerung geben.

Niederösterreich braucht keinen Atomstrom

Seit Ende 2015 deckt Niederösterreich bilanziell seinen Strombedarf zu 100 % aus Erneuerbaren Energien. Wasserkraftanlagen, Windräder, Biomasseanlagen sowie Photovoltaik-Anlagen versorgen NÖ mit sauberem Strom. Durch den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien wird der wachsende Strombedarf auch in Zukunft zu 100 % erneuerbar abgedeckt werden können.

100 % atomstromfreien Ökostrom kaufen

Österreich ist in den letzten Jahren zum Stromimportland geworden. Der Anteil an Atomstrom in unserem Netz lag zuletzt deutlich über 10 %. Besonders im Winter sind die Atomstromimporte sehr hoch. Wer diese Technologie nicht unterstützen will, sorgt dafür, keinen Atomstrom zu beziehen. Garantiert 100 % atomstromfreien Ökostrom erhält man beim Kauf von „grünem Strom“, der mit dem österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet ist. Durch den effizienten Einsatz und die eigene Erzeugung von Photovoltaikstrom können alle zu einer Reduzierung der Stromimporte beitragen.

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