Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich
Energieberatung Niederösterreich

Lüften mit Komfort

Komfortlüftungen (Wohnraumlüftungen) versorgen uns ständig mit frischer Luft und führen gleichzeitig Schadstoffe, Gerüche und überschüssige Feuchtigkeit nach außen ab. Das geschieht bei jeder Witterung und ohne lästiges Fenster öffnen. Durch die eingebaute Wärmerückgewinnung sind sie auch ein wichtiger Baustein für energieeffizientes Bauen und Sanieren.

Symbolbild für angenehmes Raumklima: EIn Mann entspannt im Sofa und fühlt sich sichtlich wohl im Wohnraum.

Praktisch alle Neubauten und gute Sanierungen werden in luftdichter Bauweise ausgeführt. Für ausreichend Frischluft in den Wohnräumen müsste im Schnitt alle ein bis zwei Stunden ausgiebig über die Fenster gelüftet werden. Im Winter ist das unangenehm und während der Nachtruhe ist es einfach nicht möglich.

Eine Komfortlüftung (Wohnraumlüftung) lüftet automatisch und reinigt die Frischluft dabei von Staub, Pollen und Sporen. Bei guter Planung und Ausführung arbeitet das Lüftungsgerät so leise, dass es nicht wahrgenommen wird. Es entsteht auch keine Zugluft und die Betriebskosten sind minimal.

So funktioniert eine Komfortlüftung

Die Bestandteile einer Komfort- oder Wohnraumlüftung sind ein zentrales Lüftungsgerät und ein Luftleitungssystem. Frischluft wird vom Lüftungsgerät von außen angesaugt, gefiltert und – bei Bedarf – erwärmt. Dazu wird sie über einen Wärmetauscher geführt und übernimmt hier die Wärme der Abluft. Die Frischluft kommt nicht mit der Abluft in Berührung. Über Rohre wird die Frischluft in die Wohn- und Schlafräume geleitet. Durch die Türschlitze gelangt sie zur Küche und den Sanitärräumen, wo sie über Abluftrohre zurück zum Lüftungsgerät geführt wird. Bevor die Abluft ins Freie geleitet wird, übergibt sie im Wärmetauscher ihre Wärme an die zuströmende Frischluft.

Grafik: Schnittzeichnung eines Wohnhauses mit einer kontrollierten Wohnraumlüftung
Das Lüftungsgerät enthält die Ventilatoren, die Luftfilter und den Wärmetauscher. Eine Steuerung regelt den Luftwechsel in den Wohnräumen - abhängig von der Nutzung oder der Luftqualität.

Luftqualität im Wohnraum

Hauptaufgabe einer Lüftungsanlage ist die ausreichende Versorgung der anwesenden Personen mit Frischluft. Eine gute Wohnraumlüftung misst ständig die Luftqualität und passt den Luftaustausch an die gesundheitlichen Vorgaben an. Sind gerade keine Personen anwesend, wird die Luftmenge automatisch reduziert. Im „Normalbetrieb“ wird die Luftzufuhr erhöht, da durch die Anwesenheit von Personen der Sauerstoffgehalt sinkt. Gleichzeitig führt die Anlage Gerüche, Schadstoffe und Feuchtigkeit ab, die in Küche, Bad und WC entstehen.

Typische Lüftungsstufen

  • Abwesenheitsstufe mit 30% vom maximalen Luftwechsel
  • Normalstufe mit 70% vom maximalen Luftwechsel
  • Intensivstufe (Party) mit 100% vom maximalen Luftwechsel, meist zeitlich begrenzt

Luftreinigung durch Filter

Die Reinigung der Außenluft von Staub, Pollen, Sporen, Ruß etc. erfolgt durch spezielle Filter im Lüftungsgerät. Je besser die Filterwirkung, desto größer muss auch die Filteroberfläche sein. Der Filter ist entweder direkt beim Frischluft-Ansaugrohr oder im Lüftungsgerät selbst eingebaut. Fast alle Anlagen zeigen an der Fernbedienung im Wohnraum einen notwendigen Filterwechsel an.
Die Filter sollten etwa einmal pro Jahr ausgetauscht werden. Sie können mit dem normalen Hausmüll entsorgt werden. Ein Waschen der Filter ist nicht möglich, da dadurch die Filterstruktur zerstört wird. Ein „Absaugen“ entfernt nur den oberflächlichen Schmutz.

Qualitätsklassen und Filterwirkung

  • Filterklasse G4: filtert 85% Pollen und Grobstaub, 15% Sporen, Feinstaub
  • Filterklasse M6: filtert 99% Pollen und Grobstaub, 50% Sporen, Feinstaub
  • Filterklasse F7: filtert 99% Pollen und Grobstaub, 85% Sporen, Feinstaub (Empfehlung nach ÖNORM H6038)
  • Filterklasse F8: filtert 99% Pollen und Grobstaub, 95% Sporen, Feinstaub
  • Filterklasse F9: filtert 99% Pollen und Grobstaub, 98% Sporen, Feinstaub (für AllergikerInnen)

Tipps zur Ausführung

Diese 6 Kriterien sorgen für zufriedenstellende Ergebnisse beim Einbau einer Wohnraumlüftung:

  1. Die Anlage sorgt automatisch für den notwendigen Luftaustausch der anwesenden Personen.
  2. Es sind keine Zuglufterscheinungen wahrnehmbar.
  3. Leiser Betrieb, der die Wohnbehaglichkeit nicht stört.
  4. Der Betrieb der Anlage benötigt wenig Strom.
  5. Die Anlage ist mit Heizung, Wohnraumöfen, Dunstabzug etc. abgestimmt.
  6. Die Bedienung der Anlage ist einfach, der Filter kann leicht selbst getauscht werden.

Keine Zugluft durch geringe Luftgeschwindigkeiten

Durch Luftgeschwindigkeiten unter 0,1 Meter pro Sekunde (m/s) kann ein Zugluftempfinden im Aufenthaltsbereich ausgeschlossen werden. Nur unmittelbar bei den Ventilen und damit außerhalb des Aufenthaltsbereiches ist eine leichte Strömung wahrnehmbar. Die Luftbewegung durch eine Komfortlüftung ist insgesamt viel geringer als jene, die z.B. durch die Wärmeabgabe von Heizkörpern verursacht wird.

Leiser Betrieb durch Schalldämpfer

Liegen die Schalldruckpegel bei max. 25 Dezibel nach A-Bewertung (dB(A)) gemäß ÖNORM H 6038, wird die Lüftung als nicht störend bzw. gar nicht wahrgenommen. 25 dB(A) entsprechen etwa dem Atemgeräusch eines gesunden Menschen in einem Meter Entfernung. Die Auswahl eines leisen Gerätes, der Einbau von Schalldämpfern, großzügig dimensionierte Luftleitungen und geeignete Durchlässe (Ventile) sichern einen leisen Betrieb.


Wärmerückgewinnung, Feuchterückgewinnung

Die empfohlene Wärmerückgewinnung von der Abluft auf die Zuluft soll laut ÖNORM EN 13141-7 bei mehr als 70 % liegen.
Moderne Wärmetauscher können neben der Wärme auch die Feuchte von der Abluft auf die Zuluft übertragen. Dabei werden 50 bis 70 % Übertragungsrate erreicht. Am Markt werden Platten- und Rotationswärmetauscher angeboten. Beide Systeme sind sehr gut für Wohnraumlüftungsgeräte geeignet.

Das Rohrsystem

Das Rohrsystem ist ein sehr wichtiger Teil der Komfortlüftung. Es besteht hauptsächlich aus einem Rohrsystem für die Zuluft und einem für die Abluft. Da die Rohre meist unter Putz verlegt sind, können sie nicht einfach ausgetauscht werden. Hochwertige und langlebige Materialien sind deshalb extrem wichtig. Entscheidend ist nicht, ob Kunststoff- oder Metallrohre verwendet werden. Wichtig sind der richtige Rohrdurchmesser, die Formbeständigkeit, sowie eine glatte Innenoberfläche der Rohre. Diese Kriterien haben großen Einfluss auf die Luftgeschwindigkeit, den Schallschutz und die Reinigung.
Aktuelle Untersuchungen bei Anlagen mit Feinfiltern zeigen auch nach mehr als 10 Jahren Betrieb eine saubere Oberfläche in den Zuluft-Rohren. Bei den Abluftrohren kommt es zu wesentlich größeren Staubablagerungen, die alle 5 bis 10 Jahre entfernt werden sollten.

Wartung

Die Wartung einer Lüftungsanlage ist sehr einfach:

  • Feinstaubfilter, die direkt bei der Frischluft-Ansaugung platziert sind, werden erfahrungsgemäß einmal pro Jahr getauscht.
  • Feinstaubfilter im Gerät selbst werden - abhängig von der Größe - alle 3 bis 12 Monate getauscht.
  • Etwa alle 3 bis 5 Jahre empfiehlt sich ein Gerätecheck durch den Installateur/die Installateurin.

Die Material- und Wartungskosten werden meist durch die Energieeinsparung beim Heizen ausgeglichen.

Kühlen mit der Komfortlüftung?

Ein Gebäude kann über eine Komfort- oder Wohnraumlüftung nicht klimatisiert werden. Entscheidend für angenehme Raumtemperaturen während Hitzeperioden ist ein ausreichender Schutz vor Sonneneinstrahlung. Die Wohnraumlüftung kann jedoch mit Hilfe eines Erdwärmetauschers die Kühlung unterstützen. Eine Kühlung auf 23 °C ist damit meist möglich. Der Erdwärmetauscher nutzt die Kühle des Erdreichs und übergibt sie an die angesaugte Außenluft.

Dieses System hat auch Vorteile während der kalten Jahreszeit. Die Außenluft kann im Winter bis auf ca. 0 °C vorgewärmt werden. Das erhöht die Temperatur der Zuluft und es kann auf eine (elektrische) Frostschutzvorrichtung verzichtet werden. Ein Erdwärmetauscher sollte jedenfalls an sehr kalten Klimastandorten zum Einsatz kommen oder wenn ein Kombigerät die Fortluft als Wärmequelle nutzt. Kombigeräte haben eine Wärmepumpe eingebaut, und vereinen neben der Lüftung auch Heizung und Warmwasserbereitung in einem Gerät.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Die Investitionskosten einer Wohnraumlüftung können mit 5.000 bis 10.000 Euro angenommen werden. Ein kompakter Grundriss mit einem gut platzierten Lüftungsgerät, die einfache Verlegung der Lüftungsrohre und wenig notwendige Maßnahmen zum Brandschutz senken die Investitionskosten.

Bei den Betriebskosten spielen Strombedarf und Wartung eine wichtige Rolle. Für eine durchschnittliche Wohnung benötigt eine effiziente Anlage etwa 300 kWh oder 60 Euro pro Jahr an Strom. Für den Filtertausch liegen die Kosten zwischen 60 und 120 Euro pro Jahr. Diese Kosten werden häufig durch Einsparungen bei den Heizkosten ausgeglichen, weil Komfortlüftungen mit ihrer Wärmerückgewinnung die Lüftungsverluste um über 70 % verringern.

Für die Investition in eine Lüftungsanlage spricht auch die Sicherung der Wertbeständigkeit eines Gebäudes. Weil die Installation einer Komfortlüftung beim Neubau wesentlich günstiger ist als bei der Sanierung, sollte keinesfalls darauf verzichtet werden. Das investierte Geld bekommt man bei einem eventuellen Verkauf verzinst zurück und bis dahin profitiert man von mehr Komfort und Behaglichkeit.

Dezentrale Wohnraumlüftung

Dezentrale Wohnraumlüftungen werden häufig als Frischluftquelle für Einzelräume verwendet. Die Geräte werden direkt in die Außenwand eines Raumes installiert und können diesen Raum mit Frischluft versorgen. Besonders in Schlafräumen kann damit eine gesunde Raumluft garantiert werden.

Ein Vorteil der dezentralen Wohnraumlüftung ist die einfache Installation, die auch bei der Sanierung leicht umzusetzen ist. Auch dezentrale Lüftungsanlagen sind mit einem Wärmetauscher ausgestattet und können die Wärme der Abluft auf die hereinströmende Außenluft übertragen. In der kalten Jahreszeit sparen Sie damit Heizkosten und entlasten die Umwelt.

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