Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich
Energieberatung Niederösterreich

Energieverbräuche erfassen und gezielt senken

Energieaufzeichnungen sind die wichtigste Voraussetzung fürs Energiesparen. Es gibt viele Hilfsmittel zum Aufzeichnen, die bequemste und umfassendste Lösung ist eine automatisierte Erfassung mittels Sensoren.

Energieverbrauch erfassen

Wie erfasse ich meine Energieverbräuche?

Wie viel zahlen Sie jährlich für Strom und Wärme? Wenn Sie diese Frage beantworten können, haben Sie sich ziemlich sicher schon mit dem Thema Energie beschäftigt. Das ist eine sehr wichtige Voraussetzung fürs Energiesparen. Um eine Einsparung überhaupt feststellen zu können, muss man den Verbrauch vor und nach einer gesetzten Maßnahme kennen. Kennen Sie erst einmal Ihren Verbrauch, so können Sie dann Ihr Energiesparkraftwerk eröffnen. Denn die beste Energie ist die, die erst gar nicht erzeugt werden muss.

Die jährliche Kontrolle der Heizkosten und des Stromverbrauchs ermöglicht Rückschlüsse auf Nutzungsverhalten, Änderungen in der Gebäudenutzung oder Fehlfunktion bzw. –verwendung von Geräten. Außerdem werden Einsparungen dokumentiert.

Im Netz gibt es viele Hilfsmittel zur Datenaufzeichnung. Fertige Vorlagen haben den Vorteil, dass sie eine Struktur für die regelmäßige Datenerfassung mit einer übersichtlichen Darstellung und automatischen Auswertung bereitstellen.

Für die Stromerfassung haben wir eine Checkliste (XLS) in Papierform erstellt, die im Zählerkasten platziert werden kann. Regelmäßige Eintragungen geben eine gute Übersicht über den Stromverbrauch und helfen beim Stromsparen.

Will man Zähler- oder Lagerstände erfassen, sind kostenlose Apps empfehlenswert. Mit dem Smartphone können einfach und bequem direkt vor Ort Werte erfasst und anschließend gleich automatisch ausgewertet werden. Die Daten sind zumeist auch zur weiteren Verarbeitung in anderen Programmen exportierbar.

Der erste Schritt: Verbrauch aus Energierechnungen ermitteln

Als ersten Schritt ermitteln Sie Ihren Energieverbrauch aus den Energierechnungen und rechnen Sie die Verbräuche auf eine Jahresperiode um, falls erforderlich. Zeichnen Sie die ermittelten Verbräuche gleich so auf, dass sie für künftige Vergleiche griffbereit vorliegen: kWh Strom, l Öl, m³ Gas, kg Flüssiggas, Raummeter Hart-, Misch- oder Weichholz, kg Pellets, Schüttraummeter Hackgut. Zum Vergleich der Energiemengen untereinander rechnen Sie alle Verbräuche in kWh um:

Umrechnungstabelle Einheit kWh
Strom

kWh

1
Erdgas 10
Flüssiggas kg 12,9
Heizöl extraleicht l 10
Pellets kg 4,8
Weichholz z.B. Fichte rm 1400
Hartholz z.B. Eiche, Buche rm 2000
Hackschnitzel aus Weichholz srm 700
Hackschnitzel aus Hartholz srm 1050

Verbräuche klar zuordnen

Um einschätzen zu können, wie hoch der Verbrauch im Verhältnis zum Durchschnitt ist, muss man zuerst wissen, wofür die erfasste Energie genau benötigt wurde. Oft gibt es Überschneidungen bei der Warmwasserbereitung, wenn z.B. im Winter das Warmwasser mit der Heizungsanlage mitbereitet wird, im Sommer aber elektrisch. Oder man verwendet zum Heizen eine Wärmepumpe, die mit Strom betrieben wird.

Optimal ist den Energiebedarf möglichst genau dem jeweiligen Verwendungszweck - Elektrogeräte und Beleuchtung, Warmwasser und Heizung -  zuzuordnen. Bei der Wärmepumpe ist zumeist ein eigener Zähler installiert. Um die Effizienz der Wärmepumpe kontrollieren zu können, empfiehlt sich allerdings die zusätzliche Installation eines Wärmemengenzählers im Heizsystem. Auch für die Warmwasserbereitung sind ein eigener Warmwasser- und ein Wärmemengenzähler für die Ermittlung des tatsächlichen Energiebedarfs sehr hilfreich.

Aufzeichnung jährlich, monatlich oder automatisch

Mit einem jährlichen Vergleich können Sie zwar sehen, wie sich Ihr Verbrauch insgesamt entwickelt hat, aber sie können aufgrund der Daten keine Rückschlüsse ziehen, worauf diese Entwicklung zurückzuführen ist. Verfügt man über keine automatische Datenerfassung, helfen vorerst monatliche Messungen. Diese liefern erste Hinweise, wo man einsparen kann. Der höhere Messaufwand zahlt sich aus.

Gezielte Stichproben helfen

Konkrete Hinweise auf Sparmöglichkeiten erhalten Sie nur mit periodischen oder gezielten Messungen. Interessant sind vor allem Unterschiede im Verbrauch und Verbrauchsschwankungen.

Bei Elektrogeräten kann der Verbrauch einfach mit einem Strommessgerät gemessen werden. Ist der Stromverbrauch im Vergleich zu einem Neugerät sehr hoch, lohnt sich ein Austausch. Der Verbrauch effizienter Neugeräte ist auf topprodukte.at angegeben. Strommessgeräte sind bereits um etwa 20 Euro erhältlich.

Mit unserer Checkliste und einem Energiemessgerät finden Sie Stromfresser in Ihrem Haushalt.

Ein Strommessgerät ist zwischen eine Steckdose und ein Elektrogerät geschaltet und zeigt den Stromverbrauch des Gerätes.
Das Strommessgerät zeigt den Stromverbrauch von Elektrogeräten und wird einfach zwischen Steckdose und das Gerät platziert.

Energieverbrauch am Tag und in der Nacht

Wie hoch ist der Verbrauch am Tag im Vergleich zur Nacht? Mit dem Stromverbrauch in der Nacht können Sie auf Ihre Grundlast (Standby-Verbrauch) schließen. Denn in der Nacht laufen nur Geräte, die permanent oder periodisch im Hintergrund Strom benötigen, z.B. die Heizungspumpe oder Kühlgeräte. Über hohe Stromverbräuche in der Nacht kann man z.B. versteckten Verbrauchern auf die Spur kommen, z.B. eine Schwimmbadpumpe oder ein Aquarium. Der Nachtstromverbrauch ist aber auch eine gute Dimensionierungshilfe von Batteriespeichern für Photovoltaikanlagen. Ist der Wärmebedarf in der Nacht genauso hoch wie am Tag, dann haben Sie sicher noch Potenzial für eine Nachtabsenkung der Temperaturen.

Verbrauchsvergleich Werktag und arbeitsfreier Tag

Starke Schwankungen am Tag oder zwischen einzelnen Tagen im Energieverbrauch wiederum lassen sich auf das Nutzerverhalten zurückführen. Ablesen kann man ein geändertes Nutzerverhalten z.B. am Unterschied zwischen dem Verbrauch an einem Werktag und einem Wochenend- oder Feiertag. Auch Ferien- und Urlaubszeiten kann man anhand des Verbrauchs zumeist recht gut identifizieren. Das ist auch der Grund, warum ein Smartmeter von manchen eher skeptisch gesehen wird, weil man anhand der Energiedaten auch Lebensgewohnheiten ablesen könnte.

Verbrauch des Sommer- und Winterhalbjahres

Üblicherweise ist der Stromverbrauch im Winter höher, weil die Beleuchtung länger benötigt wird und auch Heizungspumpen laufen. Ein höherer Strombedarf im Sommer tritt dann auf, wenn die Warmwasserbereitung  nicht mehr von der Heizung erfolgt, sondern elektrisch. Über den höheren Stromverbrauch im Sommer kann man also in etwa den Energiebedarf fürs Warmwasser abschätzen.

Monatliche Messungen

Einerseits kann man mit Monatswerten, wenn man eine Photovoltaikanlage plant, den Eigenverbrauchsanteil an Strom genauer abschätzen. Andererseits lassen sich mit monatlichen Jahresvergleichen sehr gut Änderungen im Nutzerverhalten oder im Gerätebestand feststellen. Es ist empfehlenswert, die Wärmewerte vor dem Vergleich mit Klimadaten zu korrigieren, um auszuschließen, dass die Unterschiede im Verbrauch großteils bloß auf signifikant abweichende Jahrestemperaturwerte zurückzuführen sind.

Spitzenlasten identifizieren

Wenn Sie Verbrauchswerte über einen gewissen Zeitraum permanent aufzeichnen, können Sie über große Ausschläge in der Grafik Spitzenlasten identifizieren. In Hinkunft könnte die Verringerung von Spitzenlasten bei einem lastabhängigen Stromtarifangebot auch für Privathaushalte finanziell interessant sein. Zusätzlich trägt man mit dieser Maßnahme auch zur Netzentlastung bei.

Automatische Aufzeichnungen in Echtzeit mit Smart-Home-Lösungen

Wollen Sie es ganz genau wissen und zugleich ganz bequem haben, so ist eine Smart-Home-Lösung eine interessante Option. Verschiedene Sensoren erfassen Ihren Energieverbrauch direkt am Zähler und funken zumeist die Daten an ein zentrales Gerät im Haus oder über ein Gateway auf ein Webportal im Internet, wo sie in einem Dashboard aufbereitet und visualisiert werden. Über Ihr Smartphone können Sie dann jederzeit darauf zugreifen.

Im Neubau ist die Installation eines kabelgebundenen eigenen Bussystems überlegenswert. Hier werden eigene Steuerleitungen sternförmig zu Schaltern und Steckdosen verlegt. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus muss man hier mit Kosten von etwa 20.000 Euro rechnen.

Mit einer Photovoltaikanlage zum Smart Home
Besitzt man eine Photovoltaikanlage besteht zumeist hohe Motivation, möglichst viel von dem selbst erzeugten Strom auch im Haushalt zu nutzen. Zudem kann man die Installation einer Photovoltaikanlage auch gleich zur Installation eines Energiemanagementsystems nutzen, das nicht nur den Stromverbrauch automatisch erfasst, sondern auch einzelne Geräte steuern kann. So kann das System z.B. eine Brauchwasserwärmepumpe oder den Geschirrspüler dann automatisch einschalten, wenn ausreichend Photovoltaikstrom erzeugt wird.

Wichtige Einspar-Tipps aus der Energie­verbrauchs­messung

Wärme

Frau im Heizraum

Dividieren Sie Ihre Heizkosten durch die Quadratmeteranzahl Ihrer beheizten Fläche. Liegen Ihre Kosten über 15 Euro pro m², dann gibt es jedenfalls Einsparpotenzial und es zahlt sich aus aktiv zu werden.

Die heißesten Spartipps zur Heizung:

  • Heizzeiten kontrollieren und optimieren: Ist die Zeit am Regler richtig oder muss auf Winter- bzw. Sommerzeit umgestellt werden? Sind die eingestellten Absenkzeiten korrekt und stimmen sie mit Ihrem aktuellen Bedarf überein?
  • Dämmung der obersten Geschoßdecke: rechnet sich rasch und kostet nicht viel.
  • Dämmung der Außenwände: Die Fassade auffrischen und gleichzeitig ein Viertel Heizenergie sparen. Im Zuge der Außenwanddämmung ist auch der Fenstertausch überlegenswert.
  • Ist die Heizung älter als 20 Jahre? Mit einem Tausch sparen Sie 20 % Energie und Sie können sich wieder auf Ihre neue Heizung verlassen. Achten Sie auf die Dämmung der Heizungsleitungen und -armaturen in unbeheizten Räumen.
  • Verfügen Sie über einen Allesbrenner oder eine Ölheizung? Beides sind Auslaufmodelle. Nützen Sie die jetzt noch guten Förderungen zum Wechsel auf rein erneuerbare Energieträger.

Warmwasser

Der Warmwasserbedarf ist ungefähr so hoch wie heute der Heizwärmebedarf von Neubauten. Daher zahlt es sich aus, ihn genau im Auge zu haben und einen Warmwasser- und Wärmemengenzähler einzubauen. Vermeiden Sie Warmwassertemperatur über 60 °C. Bei hohen Verbräuchen ist eine Warmwasser-Solaranlage empfehlenswert. Auch die Verwendung einer Brauchwasserwärmepumpe (in Kombination mit einer Photovoltaikanlage) reduziert den Energieverbrauch für die Warmwasserbereitung erheblich. Achten Sie beim Speicherkauf auf einen effizienten Speicher mit ausreichender Dämmung.

Strom

Der Jahresverbrauch hängt in erster Linie von der Personenanzahl im Haushalt ab.
Die gelben Bereiche der Grafik zeigen typische, durchschnittliche Jahreswerte. Sparsame Haushalte liegen im grünen Bereich.

Grafik von niedrigen bis hohen Jahresstromverbräuchen für 1 bis 4 Personen-Haushalte.

Falls Sie Ihr Warmwasser ausschließlich mit einem Elektroboiler erwärmen, fallen pro Person und Jahr zusätzlich etwa 1.000 kWh oder 200 Euro an.

Hohe Verbräuche gibt es durch viele Umstände. Die Fachleute der Energieberatung NÖ finden gemeinsam mit Ihnen die Ursache bei hoher Stromrechnung.

Erkennen Sie Stromfresser in Ihrem Haushalt indem Sie den Stromverbrauch der Geräte messen. Dadurch können Sie bis zu 200 Euro pro Jahr einsparen. Zu den Stromfressern zählen häufig

  • alte Kühl- und Gefriergeräte, Waschmaschinen oder Geschirrspüler
  • Elektroboiler
  • Sauna, Whirlpool, Schwimmbecken
  • elektrische Heizgeräte wie Heizstrahler, Frostwächter oder Dachrinnenheizung
  • Wasserbetten
  • Aquarien
  • alte Audio- und Videogeräte mit hohem Standby-Verbrauch

Unsere Spartipps:

  • Beleuchtung: Tauschen Sie die letzten Glühbirnen aus und verwenden Sie LED-Lampen. Vor allem bei Leuchten mit langer Betriebsdauer und hoher Lichtleistung zahlt sich das aus.
  • Heizungspumpen: Der Tausch einer alten Heizungspumpe auf eine hocheffiziente rechnet sich innerhalb von 5 bis 8 Jahren.
  • Elektrogroßgeräte: Tauschen Sie Waschmaschine, Geschirrspüler, Kühl- und Gefriergeräte auf effiziente Neugeräte wenn eine Energiemessung einen hohen Verbrauch ergibt.
  • Finden Sie die Stromfresser in Ihrem Haus und überlegen Sie Möglichkeiten zur Stromreduktion. Die Energieberatung NÖ unterstützt Sie dabei.

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