Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich
Energieberatung Niederösterreich

Genug Ökostrom für die Elektromobilität der Zukunft?

Auch wenn sämtliche Autos in Niederösterreich elektrisch fahren, ist eine erneuerbare Stromversorgung in NÖ weiterhin möglich. Das bestehende Stromnetz bietet aufgrund der vorausschauenden Planung der Netzbetreiber gute Voraussetzungen zur Versorgung von vielen Elektroautos. Aufgrund ihrer großen Speichermöglichkeiten können Elektroautos durchaus positiv für die zukünftige Energieversorgung sein.

Stromtankstelle mit angeschlossenem Elektrokabel und einer Photovoltaikanlage im Hintergrund.

Gibt es ausreichend grünen Strom für Elektroautos in NÖ?

In NÖ wird bereits bilanziell mehr Strom aus erneuerbarer Energie erzeugt, als verbraucht wird. Aktuelle Werte von Erzeugung und Verbrauch kann man im Live-Ticker nachvollziehen. Der weitere Ausbau dient letztlich auch – zu einem Teil – der Abdeckung vom Strombedarf der Elektromobilität. Wenn sämtliche Autos in Niederösterreich elektrisch fahren, steigt der Stromverbrauch um etwa 15 %.

Blickt man in die Zukunft, so ist davon auszugehen, dass der geplante Zuwachs an erneuerbarer Stromproduktion für die Elektromobilität und andere Anwendungen ausreicht. Nicht nur der Mobilitätsbereich verlagert sich zunehmend in den Stromsektor, insbesondere für das Heizen mit Wärmepumpen sind größere Strommengen notwendig. So benötigt ein Elektroauto 2.000 bis 3.000 kWh Strom pro Jahr (je nach Fahrleistung und Verbrauch), bei der Beheizung und Warmwasserbereitung erreicht man dieselbe Strommenge nur in einem sehr effizienten Neubau.

Nachdem die erneuerbare Stromversorgung in NÖ bereits jetzt sehr hoch ist, haben wir eine gute Grundvoraussetzung für die zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs.

Grafik: 333 Windräder genügen, um 1 Million Elektro-PKW mit sauberer Antriebsenergie zu versorgen. Das entspricht der derzeit in NÖ zugelassenen PKW-Flotte.
Bei einem Umstieg auf Elektromobilität genügen 333 moderne Windräder, um die gesamte PKW-Flotte in NÖ klimaneutral zu betreiben.

Vorteile durch eigene Versorgung

Energiepolitisch und volkswirtschaftlich betrachtet bietet die Elektromobilität zusätzliche Vorteile:

  • Das bisher für die Mobilität eingesetzte Öl muss zum überwiegenden Teil importiert werden. Damit fließt enorm viel Geld ins Ausland ab, mit dem Einsatz von erneuerbaren Strom für die Mobilität halten wir das Geld im Land.
  • Auch die Versorgungssicherheit ist ein kritisches Thema. Mit der Eigenversorgung gehören auch Lieferengpässe oder unkalkulierbare Preissteigerungen der Vergangenheit an.
  • Aus privater oder auch betrieblicher Sicht ergeben sich ebenfalls große Chancen durch den Wechsel in die Elektromobilität. Man hat die Stromversorgung für das Elektroauto selbst in der Hand – zumindest zu jenem Teil, zu dem das Auto zeitlich passend geladen werden kann. Mit nur 15 bis 20 m² Photovoltaik-Fläche erzeugt man über das Jahr betrachtet den benötigten Strom für ein Elektroauto. Man gewinnt damit zusätzlich Unabhängigkeit, zumindest für den Anteil, bei dem die Stromerzeugung und der Verbrauch zeitlich übereinstimmen.
  • Die Fahrt zur Tankstelle entfällt sehr oft, da das Laden des Elektroautos ganz nebenbei zuhause oder während der Arbeit geschieht.
Grafik: 2018 erzeugte Photovoltaik 324 Gigawattstunden Strom für theoretisch 148.000 Elektroautos; 2030 erzeugt Photovoltaik 2.000 Gigawattstunden für theoretisch eine Million Elektroautos. 
Nahezu 150.000 Elektroautos könnten NÖ Photovoltaikanlagen (Sta
Nahezu 150.000 Elektroautos hätten die Photovoltaikanlagen in NÖ bereits 2018 mit Strom versorgen können. Das ist mehr als das Doppelte der in ganz Österreich zugelassenen Elektroautos vom Jahr 2020.

Sind die Stromnetze für die Elektromobilität bereit?

Stromnetze wurden und werden für jahrzehntelange Betrachtungshorizonte geplant und ausgeführt. Aufgrund der dafür notwendigen vorausschauenden Planung der Stromnetzbetreiber, haben wir in NÖ beste Voraussetzungen für eine Integration von Elektroautos ins Stromnetz. Die vorhandenen Netzkapazitäten bieten im Regelfall ausreichend Reserve um ohne Netzverstärkung hohe Elektroautodichten zu erreichen. Es wird aber auch Situationen geben, wo man um einen Netzausbau nicht herumkommt. Dieser wird aber nicht alleine von Elektroautos ausgelöst. Wo eine Netzverstärkung nötig ist, kommen oft ältere Netze und/oder zusätzliche Verbraucher wie Wärmepumpen oder andere (Groß)verbraucher speziell an langen Netzausläufern zusammen.

Feldversuche zeigen Praxistauglichkeit

Was tatsächlich in bestehenden Siedlungen passiert, wenn man von heute auf morgen (fast) alle Autos durch Elektroautos ersetzt, haben wir mit mehreren Partnern in drei Feldversuchen getestet.

In den Gemeinden Seitenstetten, Echsenbach und Obersiebenbrunn haben wir über viele Monate gezeigt, dass das bestehende Stromnetz und die Ladeinfrastruktur für eine elektromobile Zukunft gerüstet sind. Dazu wurden in zwei Einfamilienhaus-Siedlungen nahezu alle Autos auf Elektroautos ausgetauscht bzw. in einer Wohnhausanlage Elektroautos sowie ein elektrischer Transportbus für den Umzug und ein elektrisches Carsharingangebot eingesetzt.

Die analysierten Netzauswirkungen zeigten, dass durch intelligente Ladetechnik mit der entsprechenden Ladeinfrastruktur die Stromnetze für die Elektromobilität gerüstet sind. Zudem bewiesen die überdurchschnittlich gefahrenen Kilometer und die positiven Rückmeldungen der TeilnehmerInnen, dass Elektroautos bereits heute praxistauglich sind.

Können Elektroautos für eine zukünftige Energieversorgung nützlich sein?

Da das typische Auto weit über 20 Stunden pro Tag steht und nur sehr kurze Zeiten unterwegs ist, ergibt sich zumindest theoretisch ein großes Zeitfenster, in dem das Elektroauto Strom beziehen kann. So kann man beispielsweise das Elektroauto abends abstellen und der Steuerung über das smart home „sagen“, dass das Auto am nächsten Morgen für 100 Kilometer geladen sein soll – vorzugsweise mit günstigem Ökostrom.

Zeitliche Flexibilität beim Ladevorgang wird zukünftig durch billigeren (erneuerbaren Überschuss-) Strom belohnt. Da das eigene Auto im Regelfall sehr viele Stunden in der Nacht steht, ist es egal, ob die Ladung sofort nach dem Abstellen stattfindet oder nachts bzw. in der Früh. Damit muss nicht jedes Elektroauto genau zur Abendspitze zwischen 18 und 20 Uhr laden sondern kann dann versorgt werden, wenn das Stromnetz freie Kapazitäten hat.

Zudem können Elektroautos zukünftig nicht nur passiv zur Netzentlastung beitragen, wenn sie zeitlich flexibel laden. Zusätzlich können sie auch aktiv über „vehicle to grid“ Strom über die Batterie im Elektroauto an den Haushalt zurück speisen. Die technische Machbarkeit ist bei einzelnen Automodellen bereits gegeben. Es gibt dazu kontinuierliche Weiterentwicklungen. Damit kann man Überschüsse aus der eigenen Photovoltaikanlage zu Mittag in die große Autobatterie speichern und in der Nacht wieder für den Haushaltsverbrauch aus dem Auto beziehen. Natürlich ist sichergestellt, dass das Auto in der Früh für die nötige Fahrtdistanz ausreichend geladen bleibt.

Dadurch sind Elektroautos nicht nur Stromverbraucher, sondern können als Zwischenspeicher für Überschussstrom hilfreich für unsere Energieversorgung sein.

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