Windkraftprojekte erfolgreich umsetzen
Für Gemeinden sind Windkraftprojekte mit zahlreichen Herausforderungen verbunden. Wir unterstützen Sie bei Fragen rund um konkrete Windkraftprojekte – von der ersten Idee bis zur Umsetzung.
Im Zuge der Umsetzung von Windkraftprojekten sind Gemeinden mit vielfältigen Fragen, unterschiedlichen Interessen und entsprechend hohen Anforderungen konfrontiert. Gerade in der frühen Projektphase ist daher eine strukturierte Vorbereitung entscheidend.
Das Land Niederösterreich unterstützt mit der Abteilung RU7 – Gruppe Raumordnung, Umwelt und Verkehr bei Fragen zu Zonierung und Anlagenrecht.
Die Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ berät Sie in Kooperation mit der RU3 – Abteilung Umwelt und Energiewirtschaft und der ÖGUT zu Beteiligungs- und Wertschöpfungsmodellen sowie Bürgerbeteiligung bei Windkraftprojekten
Unser Ziel ist es, Ihnen Sicherheit, Orientierung und Entlastung im Umgang mit Windkraftprojekten zu geben und Ihre Gemeinde bei zukunftsweisenden Entscheidungen bestmöglich zu begleiten.
Fakten & Mythen über Windkraft
Im Folgenden haben wir für Sie 10 der häufigsten Fragen und die dazugehörigen Faken zusammengestellt:
- Schadet Infraschall von Windrädern unserer Gesundheit?
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Infraschall sind sehr tiefe Schwingungen, die das menschliche Gehör nicht wahrnehmen kann. Autos, Waschmaschinen, Meeresbrandung, Wind, Trampoline – fast alles erzeugt Infraschall.
Würde man 27 Jahre in 300 m Abstand zu einem Windrad stehen, hätte man dieselbe Infraschallbelastung wie bei einer 3,5-stündigen Autofahrt. Selbst ein Kindertrampolin im Garten verursacht mehr Infraschall als ein Windrad.
Die gesundheitliche Unbedenklichkeit des von Windrädern erzeugten Infraschalls wurde in zahlreichen Studien und Stellungnahmen bestätigt. Vor der Genehmigung von Windkraftanlagen werden immer Schall- und Umweltgutachten erstellt und geprüft.
Fazit: Infraschall ist ein permanenter natürlicher Teil unserer Umgebung. Die von Windkraftanlagen erzeugten Werte liegen weit unterhalb gesundheitlich bedenklicher Normen.
- Muss ich mit störendem Schattenwurf durch Windkraftanlagen rechnen?
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Der Schatten von Windkraftanlagen entsteht, wenn bei Sonnenschein die Rotorblätter einen bewegten Schatten werfen. Es handelt sich dabei nicht um einen dauerhaften Schatten, wie von einem Gebäude. Der Effekt tritt nur auf, wenn die Sonne tief genug steht, die Wetterbedingungen passen und die Windkraftanlage genau zwischen Sonne und Haus liegt. Dann kann für eine begrenzte Zeit ein bewegter Schatten wahrgenommen werden.
Damit Anrainerinnen und Anrainer geschützt werden, gelten in Österreich klare gesetzliche Vorgaben. Bereits im Genehmigungsverfahren wird mithilfe spezieller Simulationsverfahren genau berechnet, wie oft und wie lange ein Schattenwurf für ein betroffenes Haus auftreten kann. Als Richtwert gilt eine maximale theoretische Belastung von 30 Minuten pro Tag bzw. 30 Stunden pro Jahr an einem Standort. Werden die zulässigen Werte überschritten, müssen technische Maßnahmen wie eine automatische Abschaltung der Anlage eingesetzt werden.
Fazit: Schattenwurf kann wahrgenommen werden, es ist ein bekanntes und gut geregeltes Thema. Durch gesetzliche Vorgaben und technische Schutzmaßnahmen wird sichergestellt, dass die Belastung für Anrainerinnen und Anrainer gering bleibt. Durchgeführte Studien bestätigen, dass der Schattenwurf zum Teil wahrgenommen wird, direkte Gesundheitsschäden konnten jedoch wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden.
- Wie viel Fläche benötigt eine Windkraftanlage tatsächlich?
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Ein modernes Windrad benötigt etwa 500 m² für das Fundament. Die versiegelte Fläche ist also geringer als eine klassische Einfamilienhaus-Parzelle in Niederösterreich.
Zufahrtswege sind meist nur geschottert. Im Vergleich zu allen anderen Energieproduktionsformen (Kohle, Gas, Solar…) benötigt Windkraft die geringste Fläche und die umliegenden Flächen können weiterhin land- oder forstwirtschaftlich genutzt werden. Mögliche Auswirkungen auf das Grundwasser werden für jeden Standort vor der Genehmigung streng geprüft.
Fazit: Windkraftanlagen benötigen deutlich weniger Fläche als andere Energieerzeugungsformen. Die Auswirkungen auf Boden oder Grundwasser werden für jedes Projekt streng geprüft.
- Sind Windkraftanlagen auf Seltene Erden angewiesen?
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Seltene Erden sind Metalle, die in vielen modernen Technologien eingesetzt werden. Sie finden sich unter anderem in Smartphones, Computern und zahlreichen Industrieanwendungen.
Aber: Nicht alle Windkraftanlagen benötigen Seltene Erden. Sie werden nur in bestimmten Generatortypen (jene mit Permanentmagneten) verwendet, während viele Anlagen ohne diese Rohstoffe auskommen.
Wie bei vielen anderen technischen Produkten können die verwendeten Materialien nach der Nutzung zurückgewonnen werden. Aufgrund ihrer konzentrierten Verwendung lassen sich Seltene Erden aus Windkraftanlagen gut recyceln.
Fazit: Ein Teil moderner Windkraftanlagen verwendet Permanentmagnete, die Seltene Erden enthalten. Gleichzeitig gibt es bewährte Windkrafttechnologien, die ohne Seltene Erden auskommen.
- Sind Windräder eine Gefahr für Vögel?
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Der Schutz von Vögeln spielt bei der Planung von Windkraftanlagen eine wichtige Rolle. Vor jeder Baugenehmigung wird untersucht, welche Vogelarten und Vogelflugrouten in einem Gebiet vorkommen. Auf dieser Grundlage werden Standorte ausgewählt. Bei Bedarf können zusätzliche Schutzmaßnahmen vorgeschrieben werden.
Für Vögel stellen Gebäude, Straßenverkehr oder der Verlust von Lebensräumen oft eine deutlich größere Gefahr dar. Besonders Glasfassaden und Fensterscheiben führen jedes Jahr zu vielen Kollisionen.
In Schutzgebieten dürfen keine oder nur unter strengen Auflagen Windkraftanlagen errichtet werden. Zusätzlich können Ausgleichsmaßnahmen vorgeschrieben werden, um Lebensräume langfristig zu sichern und zu verbessern.
Fazit: Vogelschutz ist ein zentraler Bestandteil jedes Windkraftprojekts. Durch sorgfältige Planung und Schutzmaßnahmen wird das Kollisionsrisiko minimiert.
- Was passiert bei Eisbildung an Windkraftanlagen?
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Bei Minusgraden und feuchter Witterung kann sich auf Rotorblättern Eis bilden. Das ist kein ungewöhnliches Phänomen – dasselbe passiert auf Bäumen, Stromleitungen oder Dächern.
Moderne Windkraftanlagen verfügen über Sicherheits- und Überwachungssysteme, die Vereisung erkennen können. Wird Eisbildung festgestellt, wird die Anlage automatisch oder manuell außer Betrieb genommen, bis keine Gefahr mehr besteht.
Fazit: Eisbildung kann grundsätzlich auftreten. Das Risiko ausgehend von der Eisbildung wird bereits im Genehmigungsverfahren bewertet und durch entsprechende Maßnahmen verringert. Moderne Sicherheitssysteme sorgen dafür, dass Anlagen bei Bedarf abgeschaltet werden und das Risiko wirksam minimiert wird.
Außerdem gilt während Vereisungsereignissen die Grundregel, einen ausreichenden Abstand zu Windkraftanlagen einzuhalten und sich nicht im unmittelbaren Umfeld aufzuhalten. In der Praxis sind im Nahbereich Warnhinweise anzubringen, die auf mögliche Gefahren durch Eisbildung hinweisen.
- Können Windkraftanlagen recycelt werden?
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Windkraftanlagen bestehen überwiegend aus Stahl, Beton, Kupfer und anderen Materialien, die gut recycelt und wiederverwendet werden können. Nach dem Ende ihrer rund 20-jährigen Betriebszeit werden die Anlagen immer fachgerecht abgebaut. Neue Rotorblätter können mittlerweile ebenfalls in Einzelkomponenten zerlegt werden.
Wie bei einem Auto können die verschiedenen Materialien getrennt und möglichst in den Rohstoffkreislauf zurückgeführt werden – rund 80 bis 90 Prozent einer Windkraftanlage können damit wiederverwertet werden.
Fazit: Der Großteil einer Windkraftanlage kann heute recycelt oder wiederverwendet werden – auch die Rotorblätter.
- Entsteht durch Rotorblätter Mikroplastik?
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Mikroplastik entsteht, wenn Kunststoffe durch Nutzung, Abrieb oder Witterungseinflüsse zerkleinert werden. Diese Partikel sind in der Umwelt nur sehr schwer abbaubar und verbleiben dort über lange Zeiträume.
Auch an Rotorblättern von Windkraftanlagen kommt es durch Wind, Regen und andere Wettereinflüsse zu Materialabrieb. Der Abrieb hängt sehr stark von Standort und Umweltbedingungen ab.
Untersuchungen zeigen, dass die Oberflächenerosion pro Rotorblatt und Jahr nur wenige Gramm beträgt – weit weniger als bei einem verschleißarmen Reifen eines PKWs.
Fazit: Ein geringer Abrieb an Rotorblättern lässt sich nicht vollständig vermeiden – es handelt sich dabei aber nicht um den Zerfall des Materials, sondern um normale Abnutzungs-/Alterungserscheinungen. Im Vergleich zu anderen Quellen (Reifen, Kleidung) ist die Mikroplastikbelastung durch Windkraftanlagen jedoch gering.
- Zerstören Windkraftanlagen das Landschaftsbild?
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Wie eine Landschaft wahrgenommen wird, ist oft eine Frage der persönlichen Sichtweise. Tatsache ist, dass Windkraftanlagen weithin sichtbar sind.
Unsere Landschaften sind seit langer Zeit durch den Menschen geprägt. Straßen, Fabriken, Siedlungen, Stromleitungen oder landwirtschaftliche Flächen gehören heute ebenso dazu wie viele historische Bauwerke wie Burgen und Schlösser.
Auch die Folgen des Klimawandels sind bereits sichtbar – etwa durch Trockenheit, Hitzestress und Waldschäden wie Borkenkäferbefall, der ganze Waldflächen verändert. All das sind Entwicklungen, die unser Landschaftsbild prägen.
Fazit: Windkraftanlagen verändern das Landschaftsbild. Gleichzeitig tragen sie aber dazu bei, Treibhausgasemissionen und Veränderungen des Landschaftsbildes durch die Folgen des Klimawandels zu reduzieren.
- Sind Windkraft und Wald miteinander vereinbar?
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Windkraftanlagen können auch auf forstwirtschaftlich genutzten Waldflächen errichtet werden. Dabei werden die Eingriffe in den Wald sowie mögliche Auswirkungen auf Tiere und Natur im Genehmigungsverfahren geprüft.
Während der Bauphase werden größere Flächen beeinflusst als durch den späteren Betrieb. So kann es zur vorübergehenden Verdrängung von Wildtieren kommen. Nach Abschluss der Arbeiten werden die zusätzlich beanspruchten Flächen bestmöglich wiederhergestellt. Da die Rotorblätter über den Baumwipfeln sind, haben sie so gut wie keine nachweisbaren Folgen für Pflanzen und Tiere.
Der überwiegende Teil des Waldes bleibt erhalten und weiterhin wie zuvor nutzbar. Begleitend können Schutzmaßnahmen und Monitoringprogramme vorgeschrieben werden.
Fazit: Windkraftanlagen im Wald bedeuten Eingriffe in den Wald, aber meist nur auf Teilflächen. Diese Eingriffe werden geprüft, begrenzt und ausgeglichen, während der Großteil des Waldes erhalten bleibt.
Ihre Ansprechpartner
Zonierung und Anlagenrecht
Bei Fragen zu Zonierung und Anlagenrecht wenden Sie sich bitte an:
Mag. Dominik Dittrich, dominik.dittrich@noel.gv.at (Fachbereich überörtliche Raumordnung)
Ing. Mag. Leopold Schalhas, post.wst1@noel.gv.at (Abteilung Umwelt- & Anlagenrecht)
Beteiligung der Bevölkerung bei Windkraftanlagen
Gemeinden können bei Windkraftprojekten auf unterschiedliche Weise eingebunden werden und dabei sowohl finanziell als auch strukturell profitieren. Ziel ist es, einen Teil der Wertschöpfung aus der erneuerbaren Stromerzeugung direkt in der Region zu halten und sowohl den Gemeinden als auch den Bürgerinnen und Bürgern zugutekommen zu lassen. Die Möglichkeiten reichen von der Beteiligung am erzeugten Strom über finanzielle Ausgleichszahlungen bis hin zur Einbindung von Energiegemeinschaften in Windkraftprojekte.
Mit einer geförderten Erstberatung unterstützt die ÖGUT (Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik) Gemeinden in Niederösterreich dabei, den passenden Weg für Bürgerbeteiligung zu finden. Sie analysieren die Situation vor Ort, sprechen mit zentralen Stakeholdern und entwickeln daraus ein maßgeschneidertes Beteiligungskonzept — passend zur Stimmung, zum Planungsstand und zu den Akteurinnen und Akteuren in der Gemeinde. Ob Workshop-Reihe, Konferenz, Zukunftswerkstatt, Planungszelle oder Bürgerrat – gemeinsam mit den Expertinnen und Experten wird eine passende Lösung für Ihr Projekt entwickelt.
Sie brauchen Unterstützung bei einem konkreten Windkraftprojekt? Wir sind für Sie da.
Ing.in Eva Otepka, windkraft@enu.at