Stromrechnung verstehen und Stromkosten sparen
Wir informieren über die grundlegenden Bestandteile jeder Stromrechnung, was Sie bei Ihren Smart Meter Einstellungen beachten müssen und welche Vorteile variable Tarife bieten können.
Im folgenden Video werden die Bestandteile einer Stromrechnung einfach erklärt:
Wie setzen sich die Stromkosten zusammen?
Die Stromkosten setzen sich grundsätzlich aus drei Kostenblöcken zusammen:
- Energiekosten
- Netzkosten
- Steuern und Abgaben
Energiekosten
Die Energiekosten sind jener Teil der Rechnung, der vom Stromanbieter festgelegt wird.
Typische Bestandteile der Energiekosten:
- Verbrauchspreis (Cent pro Kilowattstunde (kWh))
- Grundpreis (fixer Betrag pro Monat oder Jahr)
- eventuelle Rabatte oder Boni
Tipp: Diesen Teil der Kosten können Sie aktiv beeinflussen, etwa durch einen Tarif‑ oder Anbieterwechsel.
Netzkosten
Die Netzkosten (auch Netzentgelte oder Systemnutzungsentgelte genannt) decken alle Leistungen rund um den sicheren Transport des Stroms ab, etwa:
- Betrieb, Wartung und Ausbau des Stromnetzes
- Stromtransport bis zur Verbrauchsstelle
- Mess‑ und Zählerleistungen (z. B. Ablesung des Stromzählers, Smart Meter, …)
Bei manchen dieser Netzentgelte handelt es sich um verbrauchsabhängige Kosten, die pro Kilowattstunde verrechnet werden. Andere wiederum sind jährliche Pauschalbeträge.
Im Unterschied zu den Energiekosten werden Netzentgelte vom Netzbetreiber festgelegt und von der unabhängigen Regulierungsbehörde E-Control genehmigt.
Während ein Wechsel des Stromanbieters möglich ist (wobei Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen zu beachten sind), ist der Netzbetreiber je nach Wohnort fix vorgegeben und ändert sich nur im Falle eines Umzugs.
In weiten Teilen Niederösterreichs ist die Netz Niederösterreich GmbH als Netzbetreiber vor Ort. In einzelnen Gemeinden kann die Zuständigkeit jedoch abweichen. Informationen zu Ihrem konkreten Netzbetreiber finden Sie auf Ihrem Zählerkasten.
Steuern und Abgaben
Auch diese Kosten können nicht durch einen Anbieterwechsel beeinflusst werden. Sie sind gesetzlich festgelegt und umfassen unter anderem die Elektrizitätsabgabe, den Erneuerbaren‑Förderbeitrag und die Umsatzsteuer.
Teilzahlungen und Abrechnungsmöglichkeiten
Üblicherweise erhalten Sie monatlich oder vierteljährlich Vorschreibungen für entsprechende Teilzahlungen. Dabei handelt es sich nicht um eine Verrechnung auf Basis Ihres aktuellen Verbrauchs. Die Teilbeträge werden aufgrund der letzten Jahresabrechnung berechnet.
Einmal jährlich erhalten Sie dann eine Abrechnung Ihres tatsächlichen Verbrauchs. In der Rechnung werden die bereits geleisteten Teilzahlungen berücksichtigt. Je nachdem ergibt sich dann daraus eine Nachzahlung oder eine Gutschrift.
Auf Basis dieser Abrechnung erfolgt auch die Berechnung für die nächsten Teilbeträge, die Sie ebenfalls der Rechnung entnehmen können.
Wenn Sie einen Smart Meter besitzen, haben Sie mittlerweile oft auch die Wahl, auf eine monatliche Abrechnung umzustellen. In diesem Fall zahlen Sie keine geschätzten Teilbeträge, sondern jeden Monat exakt das, was Sie in diesem Zeitraum tatsächlich verbraucht haben.
Typische Angaben auf der Stromrechnung
In der Regel enthält eine Stromrechnung folgende Informationen:
- Rechnungsnummer und Rechnungsdatum
- Abrechnungszeitraum
- Verbrauchsstelle
- Kundendaten (Kundennummer, Vertragskonto, ...)
- Stromverbrauch in Kilowattstunden (kWh)
- bereits bezahlte Teilbeträge
- ein mögliches Guthaben oder eine Nachzahlung
- neue Teilbeträge für das kommende Jahr
- zu bezahlender Betrag
- Zahlungsart und -fälligkeit
- Energietarif
- Zählpunktnummer
Detaillierte Erklärungen zum Aufbau Ihrer Stromrechnung finden Sie meist auch auf der Website Ihres Stromanbieters (z.B. Musterrechnung EVN, Musterrechnung Wien Energie).
Gesamtrechnung oder mehrere Teilrechnungen
Als Stromkunde hat man grundsätzlich zwei Vertragspartner: den Stromanbieter und den Netzbetreiber. Die meisten Kunden erhalten dennoch nur eine gemeinsame Rechnung – die sogenannte Gesamtrechnung. Die Netzkosten werden in diesem Fall auch vom Stromanbieter eingehoben und an den Netzbetreiber weitergegeben.
Sollte Ihr Stromlieferant die Möglichkeit einer Gesamtrechnung nicht anbieten, so erhalten Sie zwei getrennte Rechnungen – eine für den Strom (vom Stromanbieter) und eine für die Netznutzung (vom Netzbetreiber).
Sie überlegen Mitglied in einer Energiegemeinschaft zu werden? Auch in diesem Fall erhalten Sie mehrere Rechnungen. Die Energiekosten verteilen sich in diesem Fall auf die Energiegemeinschaft und auf den Stromanbieter Ihrer Wahl. Beide stellen Ihnen jeweils eine eigene Rechnung für den von ihnen bezogenen Strom aus.
Dynamische und zeitvariable Tarife
Neue Technologien – vor allem Smart Meter und Photovoltaik – ermöglichen heute variable Tarifmodelle, d.h. der Strompreis oder die Netzkosten variieren je nach Tageszeit. Wer seinen Verbrauch flexibel gestaltet, kann davon profitieren.
Dynamische Stromtarife
Bei einem dynamischen Stromtarif ändert sich der Energiepreis je nach aktuellem Börsenpreis. Ist viel Strom im Netz verfügbar – etwa, weil die Sonne scheint oder der Wind weht – sinkt der Preis. Ist der Bedarf hoch und das Angebot knapp, steigt er.
Abhängig von Ihrem gewählten Tarif ändert sich damit auch Ihr Strompreis z.B. viertelstündlich oder stündlich.
Zeitvariable Stromtarife
Zeitvariable Tarife funktionieren ähnlich wie dynamische Tarife – mit einem wichtigen Unterschied: Der Energiepreis ist nicht an den tagesaktuellen Börsenpreis gekoppelt, sondern im Voraus fest definiert. Es gibt also keinen schwankenden Marktpreis, sondern feste günstigere Zeitfenster, die der Stromanbieter vorgibt.
Sommer-Nieder-Arbeitspreis (SNAP)
Zusätzlich zu dynamischen und zeitvariablen Stromtarifen gibt es österreichweit seit dem 1. April 2026 den SNAP‑Tarif (Sommer‑Nieder‑Arbeitspreis). Dieser Tarif bezieht sich nicht auf die Energiekosten, sondern auf die Netzkosten. Genauer gesagt, betrifft er den Arbeitspreis (= den verbrauchsabhängigen Teil) der Netzentgelte.
Der Arbeitspreis ist durch den SNAP Tarif von 1. April bis 30. September, jeweils zwischen 10 und 16 Uhr, um 20 % reduziert.
Wichtig: Variable Stromtarife und SNAP sind nicht dasselbe
- Dynamischer / Zeitvariabler Stromtarif → beeinflusst den Energiepreis
- SNAP‑Tarif → reduziert die Netzkosten in einem vorgegebenen Zeitfenster
Beide Modelle können einander ergänzen, sind aber unabhängig voneinander.
Vorteile und Voraussetzungen
Ziel dieser variablen Tarife ist es, Anreize zu schaffen, um möglichst viel Strom dann zu verbrauchen, wenn er produziert wird. So können Stromspitzen, die z.B. an schönen Sommertagen durch die erhöhte Produktion von Photovoltaik-Anlagen entstehen, durch stromintensive Tätigkeiten wie Waschen, Kochen oder e-Auto-laden ausgeglichen werden.
Kundinnen und Kunden profitieren in diesen Zeiten von günstigen Strom- und Netztarifen. Wer also seinen Verbrauch variabel gestaltet, kann Kosten sparen. Je öfter Sie den Gebrauch von stromintensiven Geräten in die vergünstigten Zeitfenstern verschieben, umso größer ist der Effekt.
Bei allen dynamischen oder zeitvariablen Tarifen gilt: Der Smart Meter muss im Opt‑in‑Modus laufen. Das bedeutet, dass über den Smart Meter Viertelstundenwerte ausgelesen werden können. Nur so kann der Verbrauch dem richtigen Zeitraum zugeordnet werden. Sollten bei Ihrem Smart Meter die Viertelstundenwerte nicht aktiviert sein, so können Sie das über die Website Ihres Netzanbieters ändern – wir unterstützen Sie mit einer kurzen Anleitung und Tipps wie Sie Ihre Smart Meter Daten nutzen können.
Details zur Umstellung Ihrer Einstellungen im NÖ Netz Smart Meter Portal finden Sie auch in folgendem Video.
Wer seinen Verbrauch bewusst steuert und die technischen Voraussetzungen erfüllt, kann:
- seine Stromkosten besser nachvollziehen,
- neue Tarifmodelle gezielt nutzen, um Kosten zu reduzieren,
- und gleichzeitig das Stromnetz entlasten.
